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Gruppenbild Foto: SPD Lemförde
SPD-Vorsitzender Heiner Richmann (re.) mit den Referenten Imke Schweneker und Jan Terling

4. August 2021: Moorschutz ist Klimaschutz

Diskussionsabend des SPD-Arbeitskreises Dümmerland auf dem Schäferhof. Referenten unterstreichen Bedeutung der Diepholzer Moorschnucke für den Moorschutz und zeigen auf, dass sich Moorschutz in der Diepholzer Moorniederung lohnt.

Am Donnerstag den 29.07.2021 lud der SPD-Ortsverein Lemförde im Namen des SPD AK-Dümmerland zu einem Informations- und Diskussionsabend zum Thema „Moorschutz ist Klimaschutz“ auf den Schäferhof Stemshorn ein. Die Referenten Jan Terling (seit 1974 Schäfer im Neustädter Moor, jetzt in Ruhestand) und Imke Schweneker (BUND Diepholzer Moorniederung) zeigten in ihren Vorträgen die unterschiedlichen Facetten zum Thema Moor- und Klimaschutz auf. Auch der Erhalt der Diepholzer Moorschnucke ist Klimaschutz!

Jan Terling stellte in seinem kurzweiligen und lebendigen Diavortrag als langjähriger Praktiker die Anfänge des Moorschutzes und die Bedeutung Diepholzer Moorschnucke für die Moorpflege in den Vordergrund. Er zeigte anhand von alten Fotoaufnahmen auf, wie sich der Lebensraum in der Diepholzer Moorniederung über die Jahre verändert habe, den Blick auf aktuell nicht mehr vorkommende Vogelarten wie das Birkhuhn ebenso gerichtet wie auf den harten Alltag der Schäfer und deren damals besondere gesellschaftliche Stellung. Er stellte eindrucksvoll heraus, wie sich Praktiken der Landschaftspflege in den Mooren gewandelt hätten. Das Abrennen von Heidefläche, damals geschätzt um Heidebestände zu verjüngen, sei unter Klimaschutzaspekten heute genauso undenkbar wie die früher als Erfolge gefeierten Moorkultivierungen. Damals wie heute sei jedoch die Bedeutung der Diepholzer Moorschnucke für die Landschaftspflege geblieben. Terling, der vor über 80 Jahren seinen ersten Kontakt mit der Diepholzer Moorschnucke hatte, illustrierte eindrucksvoll die Bedeutung der Diepholzer Moorschnucke für die Kulturlandschafts in ganz Norddeutschland. Bei jedem der dargebotenen Dias war Terling anzusehen, dass er eine persönliche Bindung zur Schafrasse hat und die Liebe zu den Tieren nach wie vor ungebrochen ist. Die Fleischqualität sei vorzüglich, was Untersuchungen unterstrichen hätten. So folgerte er überzeugt und überzeugend, dass es keine bessere Rasse für diese Landschaft gebe! Mit Blick auf die Zukunft der Rasse hob Jan Terling heraus, dass seines Wissens nach Familie Seel, die Pächterfamilie des Schäferhofes in Stemshorn, aktuell in Niedersachsen die größte Herde Diepholzer Moorschnucken in Reinzucht halte. „Das ist anzuerkennen!“, stellte er heraus und betonte die besondere Leistung der Schäferfamilie zum Erhalt der alten Haustierrasse. In der sich anschließenden lebhaften Diskussion waren sich alle Diskutanten einig, dass die Diepholzer Moorschnucke zur Diepholzer Moorniederung gehört und die Zukunft dieser Rasse gesichert werden muss. Durch den Trend regionaler Lebensmittel könnten sich Chancen für diese Rasse ergeben und sichergestellt werden, dass sie ihr besonderes europäisches Qualitätsmerkmal behalten könne, gleichwohl sollte sich auch die Region ihrer Verantwortung für diese Charakterrasse wieder bewusst werden.

Im sich anschließenden Vortrag von Imke Schweneker vom BUND Diepholzer Moorniederung standen Fakten und die Beziehung zwischen Moor und Klima im Forderung. Schweneker zoomte in ihrem spannenden Vortrag von der globalen Bedeutung der Moore bis auf die regionale Ebene der Moore in der Diepholzer Moorniederung. Moore besäßen eine globale Bedeutung für das Klima. Als CO2-Senken speichern sie auf 3% der Landesfläche doppelt so viel CO2-wie die Wälder der Welt. Um diese und die weiteren Ökosystemdienstleistungen der Moore aufrechterhalten zu können müssen Moore in ihrer Funktionsfähigkeit erhalten bleiben, sprich es muss eine Minimierung der Entwässerung erfolgen. In Dtld. Sind 95% der Moore nutzungsbedingt entwässert, sodass rund 44 Mio t CO2 äquivalent emittiert würden. Laut Schwenker entspricht dies rund 5% der gesamten THG-Emissionen Deutschlands. Das Flächenland Niedersachen hat laut Schweneker aufgrund seiner vielen Moorflächen eine besondere Bedeutung für den Erhalt der Moore im bundesweiten Vergleich. Auf den 8% der Landesfläche, die von Mooren besetzt sind, gehen 12 % der nds. Emissionen aus. Schweneker verdeutlichte, dass die Bewirtschaftung oder der bessere Schutz der Moore wichtiger werden wird, da auf kleiner Fläche und relativ kostengünstig viel CO2 eingespart werden kann. Und die Moore in der Diepholzer Moorniederung?

Der regionale Moorschutz kann bereits viele Erfolge vorweisen, aber es bleibe laut Schweneker ein langer Weg. Auch in der DH-Moorniederung müsse es das Ziel sein, den Torfkörper zu erhalten und die CO2-Freisetzung zu stoppen. Dies gelinge durch Wiedervernässung! Im Landkreis DH gebe es eine Chance, auf wachsende Hochmoore! Abschließend stellte Imke Schweneker heraus, dass Moor- und Klimaschutz eine Gemeinschaftsaufgabe aller Akteure sei, die nur gemeinsam erfolgreich bewältigt werden könne. Die Politik müsse die passenden Rahmenbedingungen schaffen und die Bereitstellung von ausreichenden Finanzmitteln bereitstellen. Sie fasste zusammen, dass in der DH-Moorniederung eine konsequente Wiedervernässung nötig sei und die bisherige Moorschutzarbeit in der DH-Moorniederung zeige, dass es sich lohne, Moorschutz zu betreiben!

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