Bei der zweiten Station der diesjährigen Sommertour besuchte der SPD-Ortsverein Lemförde gemeinsam mit der von der SPD unterstützten Kandidatin für die Wahl zur Samtgemeindebürgermeisterin am 13. September, Kerstin Schult, die Physiotherapiepraxis „Die kleine Praxis“ von Corinna Schumacher.

Bereits beim Rundgang wurde deutlich: Der Name der Praxis ist Programm. Corinna Schumacher hat sich vor drei Jahren als Physiotherapeutin selbstständig gemacht und führt ihre Praxis als Ein-Personen-Betrieb. Die Räumlichkeiten bestehen aus einem gemütlichen Eingangsbereich, zwei liebevoll eingerichteten Behandlungsräumen und einem Sanitärbereich für die Patientinnen und Patienten.

Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Sven Winkelmann ist die 39-Jährige bewusst in die Samtgemeinde Lemförde gezogen. Beide wohnen im selben Gebäude, in dem sich auch die Praxis befindet. Für Corinna Schumacher bedeutet das kurze Wege – angesichts ihres Arbeitspensums ein wichtiger Vorteil. Sie arbeitet unter der Woche von 8 bis 19 Uhr. Auch die Wochenenden sind häufig mit Fortbildungen ausgefüllt, die sie als selbstständige Physiotherapeutin selbst finanzieren muss.

Schon ihre Ausbildung vor knapp 20 Jahren an einer Privatschule in Bückeburg war mit erheblichen Kosten verbunden. Rund 20.000 Euro musste Schumacher damals selbst aufbringen. Für anschließende Fortbildungen, unter anderem im Bereich der Lymphdrainage sowie der speziellen Behandlung von Säuglingen und Kindern, kamen weitere rund 20.000 Euro hinzu.

Im Gespräch wurde deutlich, dass die Behandlung von Kindern für Corinna Schumacher eine besondere Herzensangelegenheit ist. „Das ist meine Erfüllung“, machte sie deutlich. Die Arbeit fühle sich für sie dadurch weniger wie Arbeit, sondern vielmehr wie eine Berufung an.

Auch Hausbesuche gehören zu ihrem Angebot. Unter anderem behandelt sie Patientinnen und Patienten im benachbarten Wohnpark. „Das machen nicht mehr viele Kolleginnen und Kollegen“, berichtete Schumacher. Hausbesuche seien für viele Praxen wirtschaftlich kaum noch darstellbar. Für sie stehe jedoch das Wohl der Patientinnen und Patienten an erster Stelle.

Im weiteren Gespräch wurde auch die wirtschaftliche Situation von Physiotherapiepraxen thematisiert. Eine Behandlungseinheit dauere bei ihr etwa 25 bis 30 Minuten, wobei nach ihren Angaben nur rund 17 Minuten über die Krankenkassen vergütet würden. Auf die Frage, wie viel Umsatz ihr für eine Praxisstunde zur Verfügung stehe, nannte Schumacher einen Betrag von lediglich rund 28 Euro brutto je Behandlung. Das verdeutliche, unter welchem wirtschaftlichen Druck viele therapeutische Praxen stünden.

Auch die angekündigten Veränderungen im Gesundheitswesen bereiten ihr Sorgen. Sie befürchtet, dass die geplanten Reformen die wirtschaftliche Situation von Therapeutinnen und Therapeuten weiter verschärfen könnten.

Zum Abschluss des Besuchs gab Corinna Schumacher den Gästen noch einige Wünsche und Anregungen ihrer Patientinnen und Patienten für die Kommunalpolitik mit. Grundsätzlich sei die medizinische Versorgung in der Samtgemeinde aus Sicht vieler Bürgerinnen und Bürger bereits gut. Gleichzeitig gebe es aus ihrer Sicht noch Verbesserungsbedarf – insbesondere bei der Barrierefreiheit und Inklusion sowie bei der Zahl der Behindertenparkplätze am Dümmer See.

Für die Anwesenden steht fest: Diese Anliegen sind nachvollziehbar und sollten auf kommunaler Ebene aufgegriffen werden. Gerade bei Barrierefreiheit und Inklusion könne Kommunalpolitik konkrete Verbesserungen für die Menschen vor Ort erreichen.

Der Besuch bei „Die kleine Praxis“ zeigte einmal mehr, wie wichtig engagierte Selbstständige für die örtliche Gemeinschaft sind. Corinna Schumacher verbindet fachliche Kompetenz, persönlichen Einsatz und viel Herzblut für ihre Patientinnen und Patienten. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zur medizinischen Versorgung und zum Gemeinwohl in der Samtgemeinde Lemförde.