Wenn über die Wirtschaft in der Samtgemeinde gesprochen wird, stehen häufig die großen Unternehmen im Mittelpunkt. Doch auch kleine, mutige Selbstständige leisten einen wertvollen Beitrag für das Gemeinwohl. Ihnen möchte der SPD-Ortsverein Lemförde im Rahmen einer von Judith Richmann organisierten Sommertour ein Gesicht geben.

Erste Station war das Projekt „Waldpferde“ von Roslyn Keller-Steinkrauß in Brockum. Bei sommerlichem Wetter informierten sich rund zehn Mitglieder des Ortsvereins über die heilpädagogische Arbeit mit Pferden.

Am Fuße des Stemweder Berges, hinter dem Solawi-Hof Tomte von Landwirt Gernot Jacob, hat sich die verheiratete vierfache Mutter aus Quernheim ihren Traum erfüllt: Mit viel Eigeninitiative schuf sie einen naturnahen Ort, an dem Kinder durch den Kontakt mit Pferden individuell gefördert werden. Drei Ponys – Kalle, Coco und Jeanny – sowie vier freilaufende Hühner gehören zu dem liebevoll gestalteten Gelände. Ein Bauwagen, gemütliche Sitzgelegenheiten und eine von der Aktion Mensch geförderte barrierearme Toilette runden das Angebot ab.

Die gelernte Erzieherin und Fachkraft für heilpädagogische Förderung mit dem Pferd betreibt ihr Herzensprojekt bereits seit fünf Jahren. Dabei übernimmt sie weit mehr als die pädagogische Arbeit. „Ich bin hier nicht nur Heilpädagogin. Ich bin gleichzeitig Hausmeisterin, Gärtnerin, Pferdepflegerin, Erzieherin, Buchhalterin und kümmere mich auch um das Marketing“, berichtet Keller-Steinkrauß. Viele Arbeitsstunden würden dabei unbezahlt bleiben.

Derzeit betreut sie wöchentlich rund 16 Gruppen oder Einzelangebote mit jeweils bis zu vier Kindern. Im Mittelpunkt stehen Kinder mit körperlichen oder psychischen
Beeinträchtigungen. Entscheidend seien dabei Empathie, Geduld und Vertrauen – unterstützt durch das ruhige Wesen der Pferde und die natürliche Umgebung.

Dabei betont Keller-Steinkrauß, dass es sich ausdrücklich nicht um Reitunterricht handelt. Vielmehr stehen Traumapädagogik sowie die Förderung von Selbstvertrauen, Körperwahrnehmung, Sozialkompetenz, Konzentration und Motivation im Vordergrund. Das Angebot richtet sich insbesondere an Kinder bis 50 Kilogramm Körpergewicht mit Ängsten, ADHS, Autismus oder körperlichen Einschränkungen.

„Es ist jedes Mal berührend zu erleben, wie Kinder, die anfangs kaum Vertrauen fassen können, innerhalb kurzer Zeit aufblühen und eine enge Bindung zu den Pferden entwickeln“, erzählt sie.

Sorgen bereitet der engagierten Selbstständigen jedoch die Finanzierung ihrer Arbeit. „Ich wünsche mir eine bessere wirtschaftliche Absicherung. Die heilpädagogischen Maßnahmen werden derzeit nur bei einem Pflegegrad ab Stufe 2 von der Pflegeversicherung unterstützt. Eine Finanzierung durch die Krankenkassen gibt es bislang nicht.“

Auch die Zusammenarbeit mit dem Landkreis Diepholz gestalte sich schwierig, da das Jugendamt das Projekt bislang nicht unterstütze. Familien mit geringem Einkommen verweist Keller-Steinkrauß unter anderem an die Familie-Müller-Stiftung in Diepholz. Zusätzlich wurde der Verein „Tierische Helfer“ gegründet, um Spenden einzuwerben und das Angebot langfristig zu sichern. Für die Zukunft wünscht sie sich vor allem eine engere Zusammenarbeit mit Schulen sowie personelle Unterstützung, um der großen Nachfrage gerecht werden zu können.

Die Mitglieder des SPD-Ortsvereins zeigten sich beeindruckt von dem Engagement und waren sich am Ende des Besuchs einig: Ein so wertvolles Angebot für Kinder dürfe nicht an fehlender finanzieller Unterstützung scheitern.

Im Rahmen der Sommertour steht als nächster Programmpunkt der Besuch der „Kleinen Praxis“ von Corinna Schumacher in Lemförde auf dem Programm.